Vladimir Darida

Vladimir Darida

Sportler und ihre Verantwortung in der Krise

#stayathome
Sonntag, 22. März 2020

Die Spitzensportler sind in der Coronavirus-Krise aktuell zum Nichtstun verdammt. Der Spielbetrieb im Fußball, Basketball und fast allen anderen Sportarten ist vorerst unterbrochen. Manchmal gibt es jedoch Wichtigeres als den Sport - das wissen auch die Vereine sowie ihre Sportler und appellieren deshalb an ihre Fans. Eine Auswahl von Teamsportlern aus Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen:

Hertha BSC (Fußball-Bundesligist): In der von den Berlinern gegründeten Facebook-Gruppe «Herthaner helfen» bieten die Fans des Hauptstadtclubs ihre Unterstützung an. «Apotheken- oder Botengänge, kleinere Einkäufe oder auch mal mitm Hund raus», schreibt beispielsweise ein User.

Herthas Spieler appellieren ebenfalls an die Vernunft ihrer Fans und rufen zur Solidarität auf. «Bleibt zuhause wie es möglich ist, seid rücksichtsvoll. Wir schaffen das zusammen», erklärte Mittelfeldspieler Vladimir Darida in einem Video, während er auf einem Spinning-Rad fährt. Auch Stürmer Dodi Lukebakio rief die Menschen auf, in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

Hertha-Urgestein Frank Zander hat aufgrund der Krise seine Hertha-Hymne umgedichtet. Statt «Nur nach Hause» singt der Berliner jetzt «Nur nach draußen gehen wir nicht» - aufgenommen in seiner Berliner Küche. «Leider hat uns dieses verdammte Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber wir Berliner kriegen das schon in den Griff», sagte er in dem auf Facebook veröffentlichten Video.

Am vergangenen Samstag hätte das von den Berlinen heiß erwartete Stadtderby gegen den 1. FC Union Berlin stattfinden sollen. «Ich hoffe, dass dieses Stadtderby im vollbesetzten Olympiastadion nur aufgeschoben ist. Bis dahin können wir alle gemeinsam mithelfen, diese schwierige Krise zu überstehen», richtete sich Hertha-Manager Michael Preetz an die Fans.

RB Leipzig (Fußball-Bundesligist): RB Leipzig hat im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus eine soziale Kampagne gestartet. Unter dem Motto «Was ist wichtiger als Fußball? #WirAlle!» stellt der Club auf seiner Website hilfreiche Inhalte bereit und weist auf aktive Möglichkeiten zur Unterstützung wie etwa Blutspenden hin.

«#wiralle - wir alle sollten vernünftig sein. Wir alle sollten zuhause bleiben. Wir alle sollten unser Leben entschleunigen, um den Virus zu entschleunigen», sagte RB-Coach Julian Nagelsmann in einem Instagram-Post. Zuvor hatte er bereits betont, dass es bedeutendere Dinge gebe, als den Fußball. «Wenn man selber mit anderen Dingen zu kämpfen hat, wenn die Supermärkte leergekauft werden, wenn man nicht mehr auf die Straße darf, dann geht der Unterhaltungswert eines Fußballspiels gegen null», kommentierte der 32-Jährige die Zwangspause der Bundesliga.

Nationalspieler Lukas Klostermann nutzt ebenfalls seine Instagram-Reichweite, um Gutes zu tun. «Kennt ihr Stiftungen oder Organisationen, die bei der Bekämpfung/Eindämmung/Behandlung des Corona-Virus ganz besonders Unterstützung gebrauchen können?», fragte der Verteidiger auf seinem Profil. Zudem hat er sich zusammen mit Mitspieler Marcel Halstenberg der Initiative «We Kick Corona» angeschlossen.

Mit der von Leon Goretzka und Joshua Kimmich ins Leben gerufenen Initiative soll karitativen, sozialen oder medizinischen Einrichtungen geholfen werden, die aufgrund der Pandemie auf sofortige Hilfe angewiesen sind. «Corona schlagen wir nur im Team», so Goretzka.

1. FC Union Berlin (Fußball-Bundesligist): Die Eisernen wollten am 20. März eigentlich wieder mit dem gemeinsamen Training beginnen. «Bis zum 31. März machen wir jetzt erstmal Individualtraining. Die Spieler bleiben zuhause, bekommen individuelle Pläne», hieß es dann einen Tag vorher. Im Zuge der Coronavirus-Krise will Unions Torhüter Rafael Gikiewicz auf einen Teil seines Gehalts verzichten. «Das in der Welt herrschende Coronavirus betrifft uns alle. Wir sind gezwungen, zu handeln», schrieb der 32-Jährige in sozialen Netzwerken und nutzte seinen Beitrag für einen Appell. «Wir können es gemeinsam schaffen. Und ihr, beschützt die Älteren und die Schwächeren.»

Stürmer Sebastian Polter hält sich während der Zwangspause zuhause fit. In einem Instagram-Video präsentierte er seinen Fans seine Lieblingsübungen - Liegestützen, Treppenspringen und Kniebeugen. Doch auch seine klare Botschaft an alle lautet: «#stayathome».

FC Carl Zeiss Jena (Fußball-Drittligist): Die Thüringer nutzen ihre Reichweite, um auf ein ganz bestimmtes Projekt in Jena aufmerksam zu machen: das Fanprojekt-Jena, das ab dem 23. März Einkaufshilfe anbietet. «Ziel ist es, Menschen den Zugang zu Lebensmitteln erleichtern, die gerade nur eingeschränkte Möglichkeiten haben, sich selber zu versorgen», heißt es auf der Website des Projekts.

1. FC Magdeburg (Fußball-Drittligist): Auch in der Dritten Liga pausiert der Spielbetrieb - vorerst bis zum 30. April. «Fußball ist zweitrangig», sagte Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz. Es gebe wichtigere Themen und das sei die Gesundheit. «Wir können alle dazu beitragen, um den Virus einzudämmen», sagte der 54-Jährige in Richtung der Fans.

Mit einer Videobotschaft auf dem vereinseigenen Youtube-Kanal wenden sich die Spieler des 1. FC Magdeburg an ihre Anhänger. «In dieser Zeit müssen wir alle zusammen stehen. Auch wenn wir den Fußball vermissen, müssen wir uns gegenseitig helfen», sagte Torwart Morten Behrens an die Magdeburg-Anhänger gerichtet. «Helft euren Nachbarn bei der Kinderbetreuung, bei den Einkäufen». Nur gemeinsam könne man die schwere Zeit überstehen.

Alba Berlin (Basketball-Bundesligist): Da Schul- und Vereinssport aufgrund der Corona-Krise ausfallen, bietet Alba seit dieser Woche «Albas digitale Sportstunde» an. Eine Sporteinheit dauert 45 Minuten und richtet sich an Kinder im Kita-, Grundschul- und Oberschulalter.

Für Albas Kapitän Niels Giffey hingegen ist momentan nicht an Sport zu denken. «Im Augenblick gibt es wichtigere Dinge», sagte er. Giffey selber versuche möglichst wenig die eigene Wohnung an der Grenze zwischen Mitte und Prenzlauer Berg zu verlassen. «Ich gehe auch nur noch selten raus und habe mir abgewöhnt noch in Restaurants zu gehen», berichtete er.

Energie Cottbus (Fußball-Regionalligist): Auch die Lausitzer richteten in den sozialen Netzwerken eine eindeutige Botschaft an ihre Anhänger «Händewaschen sollte man immer, doch jetzt erst Recht!!! (...) #staysafestayclean #stayathome», postete FC Energie auf Instagram. Zudem baut der Verein auf die Unterstützung seiner Fans, die für rund 20 Euro «Antikörper» erwerben können. So soll geholfen werden, den Verein «immun» gegen die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus zu machen. «Sie können lindern, Sicherheit geben und Platz für unsere Zukunft geben», teilte der Verein mit.

SC DHfK Leipzig (Handball-Bundesligist): Die Spieler der Leipziger verzichten auf Teile ihrer Gehälter. Mit dieser Maßnahme wollen die Profis ihren Club während der Krise durch die Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie wirtschaftlich entlasten. «Wir als Mannschaft sind in der aktuellen Situation natürlich bereit, über einen gewissen Zeitraum Gehaltskürzungen zu akzeptieren. Es geht schließlich darum, dass alles, was hier seit 2007 aufgebaut wurde, nicht verschwindet», sagte Kapitän Alen Milosevic am Freitag in einer Pressemitteilung des Vereins.